Archiv für Juli 2009

Hamburger Strassenrap

Oakland Raiders und St. Pauli

Ich bin arm wie Schwein, wie soll man da nicht aggressiv sein.

Arbeitskampf in Südafrika

Enttäuschte ANC-Wähler aus den armen Townships randalieren in Südafrika. Tausende Arbeiter der öffentlichen Dienste streiken und verschmutzen die schönen Strassen Johannesburgs. Labournet fasst das Ganze zusammen.

Anmerkungen zum Hedonismus

Der Aufopferung für das Kollektiv und der buchstäblichen Lustfeindlichkeit manch alter und alternder Genossen, wurde vor noch nicht langer Zeit zu Recht die Frage nach den Bedürfnissen des Individuums entgegen gehalten. Was allerdings erstere in ihrer Selbstaufgabe für das quasireligiöse Projekt verfehlten, kehrten die anderen ins eben so Falsche um, indem sie die Vermittlung von Bedürfnis und Gesellschaft nicht mehr mitdachten. Dass manch einer dieser Kritiker die Kategorie des Individuums gar nicht mehr auf diese Gesellschaft bezog, ist einer jener Grundfehler, der sich über die Jahre zu Zusammenschlüssen wie der hedonistischen Internationale mit etlichen falschen und falscheren Sektionen entwickelt hat und seine reaktionärsten Auswüchse in der ästhetisch verschleierten Verachtung von Armut zeigt.


Das Glück des Einzelnen. Betrachtet aus der Vogelperspektive.

«Dem Hedonismus bleibt das Glück ein ausschliessend Subjektives; das besondere Interesse des einzelnen wird so, wie es ist, als das wahre Interesse behauptet und gegen jede Allgemeinheit gerechtfertigt. Das ist die Grenze des Hedonismus, seine Gebundenheit an den Individualismus der Konkurrenz. Sein Glücksbegriff kann nur durch die Abstraktion von der Allgemeinheit gewonnen werden. Das abstrakte Glück entspricht der abstrakten Freiheit des monadischen Individuums. (…) Der Hedonismus nimmt die Bedürfnisse und Interessen der Individuen als etwas schlechthin Gegebenes und an sich Wertvolles hin. In diesen Bedürfnissen und Interessen selbst steckt schon die Verkümmerung, Verdrängung und Unwahrheit, mit der die Menschen in der Klassengesellschaft aufwachsen.» (Onkel Marcuse; in «Kultur und Gesellschaft 1»)

Die hedonistische Ideologie übersieht die geschichtliche Bedingtheit des Individuums. Genauer: des bürgerlichen Individuums. Hier zeigt sich eine Wesensverwandtschaft mit dem antiautoritären Denken, so es nicht auf einer materialistischen Analyse der bestehenden Gesellschaft beruht. Wo erstere das Glück des Individuums ins Zentrum stellt, geht es dem zweiten vorallem um die Freiheit des Selben.

«Das moderne Individuum, entstanden erst in der Ablösung von der Enge der traditionellen Produktionsweisen, ist daher ein abstraktes gesellschaftliches Individuum, d.h. ein bloßes Geld-Subjekt. (…) Das Geld, obwohl der abstrakte, leere Selbstzweck entfesselter Warenproduktion, erscheint dem abstrakten Individuum, dem „nichts über sich“ geht, sogar als das bewusstlos vorausgesetzte Mittel, mit dem es sein Ich zur Geltung bringen muss. Der Antiautoritarismus oder die Ideologie des autonomen Individuums [und seiner hedonistischen Erfüllungs] ist so nichts, als der bewusstlose Reflex der bürgerlichen Subjekt-Entwicklung, der hoffnungslose Aufstand der abstrakten Geld-Subjektivität gegen sich selbst. Und doch liegt in diesem rebellischen Reflex noch ungetrennt ein emanzipatorisches Verlangen, das sich keinen adäquaten Ausdruck zu geben weiß. In jeder neuen Krisen-Epoche bürgerlicher, geldvermittelter Vergesellschaftung tritt daher auch die antiautoritäre Ideologie von neuem hervor, ohne doch je aus dem Gefängnis der warenlogischen Kategorien ausbrechen zu können, solange keine Transformation in eine konkrete Kritik der Warenform selber stattfindet.» (Aus: «Revolutionärer Funke – Zeitschrift gegen Ökonomie, Politik und Dressur» Nr. 9)

Das grunsätzliche Problem der hedonistischen Linken trifft eben auch die nicht-marxistische antiautoritäre Linke: Statt eine Kritik dieser Gesellschaft und ihrer Kategorien zu entwickeln, verstrickt man sich in selbige beim Versuch der Selbstbefreiung und Erfüllung seiner Bedürfnisse. Dies zeigt sich in der hedonistischen Denke nochmals an der Problematik, dass sich die Selbsterfüllung nur ausserhalb des Arbeitstrottes vollziehen kann. In der griechischen Antike entwickelt auf der Grundlage der personellen Trennung von Arbeit und Freizeit in Sklaven und Freie, wird er in einer das Arbeitsprinzip verallgemeinernden Gesellschaft zum schlichten Selbstbetrug und verbannt das Glück in eine besondere Sphäre. Dabei müsste eine revolutionäre Bewegung gerade auf die im Kapitalismus spezifische Form der Vermittlung von Arbeit und Freizeit wie auch von Individuum und Gesellschaft/Allgemeinheit abzielen.

Bis dahin hoffe ich, dass der Bierpreis sinkt und ich nach der fünten Nachtwache in Folge endlich mal wieder ausgiebig feiern kann. Prost!

Blogsport Highlights I

1.
Mal was ganz Neues:
Einer macht sich Gedanken zum Leben, schreibt diese in sein Blog und benennt diesen nach diesem Vorgang.

2.
Nein, dieses Blog wurde nicht eigens für diesen Beitrag erfunden.
Dr. psych. Crull berichtete bereits darüber.

3.
Da habe ich neulich erst noch im nebensatz darauf hingewiesen, dass alle sich bei facebook dafür einsetzen sollen, dass lady gaga nach israel kommt…

Oberstleutnant Sanftleben

Die Achillessehne der Kriegsführung ist das Weichziel Mensch.

Blogsport macht glücklich!

Durch eine Diskussion über das Glück kochender Frauen, bin ich kürzlich auf einen neuen Nachbarn gestossen: Kollege Picture the pursuit of happiness. Dieses besonders dummdreiste Exemplar der Gattung «Glücksforscher» hat es sich zur Aufgabe gemacht, «spannende Einsichten» aus dem Seminar «Ökonomie und Glück» an der Humboldt-Universität Berlin «seinen Lesern fotografisch näher zu bringen». Neben der Messung der Durchblutung von Hirnarealen und soziologischen «Glücksmessungen» beschäftigt sich die Glücksforschung wie in genanntem Seminar mit den Zusammenhängen von Ökonomie und Glücksgewinn.


Neuste Erkenntnisse der Glücksforschung: Arbeit macht glücklich! Beten macht frei!

Glücksforscher Jonathan, welcher sich auf Blogsport niedergelassen hat, zeigt in seinem Blog auf, was denn nun die Schlüsse jener Variante wissenschaftlicher Apologie sind: Konsumieren ohne sich über die Kohle gedanken zu machen, führt zum Glück! Wer fleissig arbeitet und sich mit seiner Arbeit identifiziert, ist glücklich! Wer brav in die Kirche geht und betet, wird glücklich! Eigentlich kann man diesen affirmativen Scheiss auf eine einfache Formel runterbrechen: Wer die Anfoderungen dieser Gesellschaft am meisten verinnerlicht, kommt mit den herrschenden Zuständen am besten klar. Und wenn man dann auch noch die esoterische Verklärung abstrakter Zwänge mitmacht, dann knallts aber vor «happiness»! Eine wahrlich bahnbrechende Entdeckung!

Wäre das ganze keine dermassen dümmliche Veranstaltung (und auf der Nachtwache nicht soviel los), könnte man sich auch mal noch Gedanken darüber machen, was denn eine Kategorie wie «Glück» überhaupt für einen Sinn macht. Und was das mit einer Gesellschaft zu tun hat, die alle abstrakt gleich macht um sie zugleich gegeneinander zu werfen.

Bouuumbabb

Kohle her, oder es knallt. Bosse entführen, Fabriken mit Sprengstoff vollpacken: Militanz lohnt sich, erklärt Raoul Rigault in der Jungen Welt. Entscheidend ist die Passivität der grossen Gewerkschaften auf landesweiter Ebene, die Verlaufsformen gewerkschaftlicher Integration werden nach Klärung der Kompetenzen ähnliche sein wie in Deutschland, meint Bernhard Schmid auf trend.infopartisan.

«Tötet uns doch alle!»

Rund 3000 Bullen versuchen das von 600 ArbeiterInnen besetzte Ssangyong Motorenwerk in Poengtaek/Südkorea zu räumen. Berichte in TAZ, Junge Welt, Linke Zeitung und von Loren Goldner für Wildcat. Für Sensationshungrige gibt’s Riotbilder bei Libcom.

Ante Ciliga: Sozialistische Hebel von unten betrachtet

Ante Ciliga, ehemals Linkskommunist und Mitglied des ZKs der KP Jugoslawien, durchlebte die Schrecken des stalinistischen Zwangsapparates. Sein Buch «Im Land der verwirrenden Lüge» ist eine autobiographische Kritik an den nachholenden Modernisierungsangstrenungen der Sowjetunion und dem dazu notwendigen Repressionsapparat.
Das Buch gibt es neuerdings als PDF, Link wird gerne an Kommunisten weitergegeben!


«Wir sind hinter den fortgeschrittenen Ländern um 50 bis 100 Jahre zurückgeblieben. Wir müssen diese Distanz in zehn Jahren durchlaufen.» (Stalin)

«Die Kolonisierung des Nordens ist sicherlich eine Tat von Weltbedeutung, aber sie erinnert in ihren Methoden an die einst in Amerika und anderwärts angewandten und ist in der Hauptsache das Werk von Sklavenarbeitern. In der Holzindustrie des Nordens und Sibiriens sind nur Zwangsarbeiter beschäftigt, in den Goldgruben zum großen Teil ebenso wie in den Kohlenbergwerken von Kusnezk und Karahand. Die Kupferindustrie in Balmasch, die Elektrizitätswerke in Zentralasien sind von Häftlingen aus den «Arbeitskolonien» geschaffen. Selbst in der Ukraine ist die Traktorenfabrik zum Teil von Zwangsarbeitern errichtet worden. Der Moskau-Wolga-Kanal im Herzen des europäischen Rußlands, die Eisenbahnen und Autostraßen im Fernen Osten, die Befestigungen längs der Mandschurischen Grenze, das alles wird von einer gewaltigen Armee von Sklaven, die unaufhörlich durch neue ersetzt werden, gebaut. Es ist wohl nicht übertrieben, zu behaupten, daß ein Drittel der Arbeiterklasse in Rußland aus Sklaven besteht. Diese fast nichts kostende Zwangsarbeit macht außerdem die Aufgabe, die Löhne der theoretisch freien Arbeiter niedrig zu halten, bedeutend leichter.»

«1930 und Anfang 1931 führte die Regierung zur Verwirklichung ihres Industrialisierungs- und Produktionsplans vor allem den Arbeitern gegenüber Zwangsmaßnahmen durch: obligatorische «Wettbewerbe» in den Fabriken, forcierte «Udarnik» («Aktivisten»)-Leistungen, Abschaffung des Rechts der Arbeiter, ihren Arbeitsplatz zu wechseln, Gewährung des «Rechts» auf Nachtarbeit und Arbeit im Kohlenbergbau an Frauen und Jugendliche usw. Diese Maßnahmen bewirkten im Ausland eine Kampagne gegen die «Zwangsarbeit», aber andererseits wiegte die offizielle Phraseologie die westlichen Länder in dem Glauben, die Sowjetregierung sei im Begriff, wenn auch mit barbarischen Methoden, etwas dem Sozialismus Ähnliches zu schaffen.
Die Reformen, die von Juni 1932 an einander auf dem Fuße folgten, enthüllten das wahre Gesicht des Regimes. Stalin belegte eine der dem Herzen des Arbeiters teuersten Errungenschaften, eine der letzten der Oktoberrevolution, die man ihnen noch nicht entrissen hatte, mit dem Bann: das Prinzip der wirtschaftlichen Gleichheit innerhalb des Proletariats. Auf Befehl des Diktators wurde ein neues Evangelium verkündet: die Arbeiter-Hierarchie, die Reformierung des Lohnsystems, mit dem Ziel «in der Bezahlung größere Unterschiede zwischen der höchsten und niedrigsten Leistungsstufe zu schaffen». Dieses im wesentlichen kapitalistische Prinzip wurde als dem Sozialismus und Kommunismus konform hingestellt. Dem Prinzip, an dessen Stelle es trat, wurde gnadenlos der Krieg erklärt und als kleinbürgerliche «Nivellierung» gebrandmarkt.»

Das Schöne am Materialismus

Die Bravo für Antideutsche und andere modebewusste Partygänger des amerikanischen Traumes behandelt in ihrer dritten Ausgabe die Zeitschrift «Brüche». Dieses unterdessen endgültig ihrem eigentlichen Bestimmungszweck zugeführte bedruckte Altpapier wurde in den Jahren 02/03 von zwei Provinz-Jugendlichen herausgegeben. Heute plaudert einer von beiden frei von der Leber, was seine Gesinnungsgenossen Mané, Lipstick oder Karwan erst durch Universitätsarbeiten und verklausulierte Blogeinträge durchscheinen lassen.


Gesunder Geist im gesunden Körper; Dolph Lundgrens Enkel, einer der Herausgeber von «Brüche»

In der ersten Brüche schrieb mein Herausgeberkollege Florian über die antisemitische Volksgemeinschaft, aber es war neben der inhaltlichen Auseinandersetzung ein wichtiges Style-Ding. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir mit den Linken abgeschlossen. Die und die Nazis behandelten wir nach dem Motto «Pack schlägt sich, Pack verträgt sich». Nur weil beide an einem unterschiedlichen Punkt starteten, ändert das eben nichts an der Tatsache, dass das Ziel das gleiche war: nämlich Deutschland, vermittelt durch den Faschismus.

Wir fanden uns und unsere Attitüde damals schon ganz geil. Es war rumgeprolle mit Theorie.

Aus dem Kapitalismus kommt man, als in sich selbst prozessierendes Subjekt, nicht so einfach raus, gerade das macht ja die Totalität des Kapitals aus. (…) Daher war unsere Frage: Was machen wir? Und die Lösung war: Wir machen eine Zeitschrift

Der Materialismus ist im Wesen einfach und erklärt sich, das ist ja das Schöne und ein Merkmal von Wahrheit, von selbst.

Folgerichtig hat der Materialismus damit die Wahrheit und so auch das Urteil über dieses Derivat der politischen Verblödung gesprochen. Um ihn noch zu ergänzen: Die hier behandelte «Strömung» als politisches Problem zu behandeln geht am Gegenstand vorbei. Stattdessen wäre damit umzugehen wie mit jeder Modebewegung jugendlicher Klugscheisser.