Das Schöne am Materialismus

Die Bravo für Antideutsche und andere modebewusste Partygänger des amerikanischen Traumes behandelt in ihrer dritten Ausgabe die Zeitschrift «Brüche». Dieses unterdessen endgültig ihrem eigentlichen Bestimmungszweck zugeführte bedruckte Altpapier wurde in den Jahren 02/03 von zwei Provinz-Jugendlichen herausgegeben. Heute plaudert einer von beiden frei von der Leber, was seine Gesinnungsgenossen Mané, Lipstick oder Karwan erst durch Universitätsarbeiten und verklausulierte Blogeinträge durchscheinen lassen.


Gesunder Geist im gesunden Körper; Dolph Lundgrens Enkel, einer der Herausgeber von «Brüche»

In der ersten Brüche schrieb mein Herausgeberkollege Florian über die antisemitische Volksgemeinschaft, aber es war neben der inhaltlichen Auseinandersetzung ein wichtiges Style-Ding. Zu diesem Zeitpunkt hatten wir mit den Linken abgeschlossen. Die und die Nazis behandelten wir nach dem Motto «Pack schlägt sich, Pack verträgt sich». Nur weil beide an einem unterschiedlichen Punkt starteten, ändert das eben nichts an der Tatsache, dass das Ziel das gleiche war: nämlich Deutschland, vermittelt durch den Faschismus.

Wir fanden uns und unsere Attitüde damals schon ganz geil. Es war rumgeprolle mit Theorie.

Aus dem Kapitalismus kommt man, als in sich selbst prozessierendes Subjekt, nicht so einfach raus, gerade das macht ja die Totalität des Kapitals aus. (…) Daher war unsere Frage: Was machen wir? Und die Lösung war: Wir machen eine Zeitschrift

Der Materialismus ist im Wesen einfach und erklärt sich, das ist ja das Schöne und ein Merkmal von Wahrheit, von selbst.

Folgerichtig hat der Materialismus damit die Wahrheit und so auch das Urteil über dieses Derivat der politischen Verblödung gesprochen. Um ihn noch zu ergänzen: Die hier behandelte «Strömung» als politisches Problem zu behandeln geht am Gegenstand vorbei. Stattdessen wäre damit umzugehen wie mit jeder Modebewegung jugendlicher Klugscheisser.


10 Antworten auf „Das Schöne am Materialismus“


  1. 1 mané 24. Juli 2009 um 18:20 Uhr

    dann entschuldige ich mich nun für meinen music- und modefimmel. aber ich steh einfach auf bling bling.

  2. 2 "karwan" 24. Juli 2009 um 23:46 Uhr

    Feindbildpflege ist bemerkt worden – kannst dir das Sternchen ins Fleißheftchen kleben.

  3. 3 classless 26. Juli 2009 um 14:40 Uhr

    Immer einen „ausplaudern“ zu sehen, was dann alle anderen vom vermeintlich selben Schlage im Grunde auch denken, würde ich zu den Fehlern rechnen, die Antideutsche mit (anderen) Linken teilen.

    Wie aber geht denn wer auch immer mit „jeder Modebewegung jugendlicher Klugscheisser“ um?

  4. 4 Tioum 26. Juli 2009 um 17:24 Uhr

    «Ausplaudern» beinhaltet nun ja, dass jemand etwas vorher eigentlich verheimlicht hat. Darum geht es mitnichten: Die Attitüde des Schlags auf den Hinterkopf, die man programmatisch von Porth übernommen hat, korrespondiert einfach hervorragend mit dem Interesse sich durch Distinktion statt inhaltliche Kritik eine ehrbare und besonders lässige Identität zu verschaffen. Dass man sowas erst im Nachhinein «ausplaudert», hängt wohl damit zusammen, dass man das häufig erst später realisiert oder sich aber zumindest nicht die Blösse geben will seine «politische Praxis» unter ästhetischen Gesichtspunkten zu verhandeln. Dass diese Nachwuchs-Wertmüllers alle in etwa gleich klingen, im Rudel auftreten und häufig an ihren Modeacessoirs erkannt werden können, lässt den Schluss zu, dass eine Nähe zueinander nicht ganz von der Hand zu weisen ist, zumal wenn man das Spektakel von der Innen- wie von der Aussenperspektive kennt.

    Wie man mit einer Modebewegung umgehen soll? Gefliessentlich übergehen und wenn man doch mal auf einer ihrer Partys landet einfach den Stecker ziehen.

  5. 5 lipstick.Israel 26. Juli 2009 um 19:57 Uhr

    „rumgeprolle mit theorie“?? hallo?? schon mal den blog gesehen? wo ist da bitteschön theorie? ich nehme das als beleidigung auf.

  6. 6 abdel kader 26. Juli 2009 um 20:15 Uhr

    Ich würde mir eine regelmäßige Serie von solchen Interviews wünschen. Wertmüller, Scheit, Lenhard, Wilting usw. lassen sich in ähnlicher Pose vor einer USA-Fahne oder anderen Fetischobjekten ablichten und berichten aus ihrem Leben.

    Von Wertmüller gibt es ja schon Zitate, die in die Richtung gehen:

    Hier in Hamburg ist man ja antideutsch soft, will mit Allen über alles reden. Hermann Gremliza hat sich das hier ja nur angeschaut und war zu feige, um mit zu demonstrieren. Außerdem hätten ihn sicher die US-Fahnen gestört, die Konkret vertritt ja auch antiamerikanische Positionen, auch antizionistische. (…)
    Mit Grauen denke ich auch an meine eigene ehemalige Organisation, die Gruppe K. Wo sind denn die Heiner Möllers und so weiter, diese antiimperialistischen Schweine!“

    Aber dem obigen Herrn scheint seine eigene Vergangenheit irgendwie doch peinlich zu sein:

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  7. 7 paule 27. Juli 2009 um 12:19 Uhr

    Dann ist die Chimäre ja nun abgebildet: Mané macht sich bunt, lipstick prollt und ick mach verklausuliert – wo auch immer. Fehlen nur noch dieser andere Typ und sein Heft, aber die kenn ich leider nicht weiter ..

    Da zumindest ich keins von Tioums Kriterien erfülle, vermute ich, dass diese Nähe schlicht aus einem Abgleich der Blogrolls gepurzelt ist. Ganz von der Hand zu weisen ist sie damit tatsächlich nicht, und es wäre auch zu billig, mich mit »Leseempfehlung – that’s all!« aus der Affäre zu ziehen. Daraus aber die gemeinschaftliche Identität in trauter Wertmüller-Nachwuchsschaft zu konstruieren, wäre bereits der Schluss, der da gezogen wurde. Umgedreht, wie er angeblich zulässig sein soll, bleibt er nur ein blöde Unterstellung.

    Dem ersten, der mich mit Mützchen und Buttons bei einem Spektakel erwischt, schenke ich meine Theorie des Gebrauchswerts und eine Tüte Gummibärchen.

  1. 1 aftershow :: Dies und Hass Pingback am 24. Juli 2009 um 21:23 Uhr
  2. 2 Heute gesehen (26.07.) « Theorie als Praxis Pingback am 26. Juli 2009 um 9:53 Uhr
  3. 3 RIP: „Brüche“ « Gefährliche Planetengirls Pingback am 26. Juli 2009 um 13:33 Uhr
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