Ante Ciliga: Sozialistische Hebel von unten betrachtet

Ante Ciliga, ehemals Linkskommunist und Mitglied des ZKs der KP Jugoslawien, durchlebte die Schrecken des stalinistischen Zwangsapparates. Sein Buch «Im Land der verwirrenden Lüge» ist eine autobiographische Kritik an den nachholenden Modernisierungsangstrenungen der Sowjetunion und dem dazu notwendigen Repressionsapparat.
Das Buch gibt es neuerdings als PDF, Link wird gerne an Kommunisten weitergegeben!


«Wir sind hinter den fortgeschrittenen Ländern um 50 bis 100 Jahre zurückgeblieben. Wir müssen diese Distanz in zehn Jahren durchlaufen.» (Stalin)

«Die Kolonisierung des Nordens ist sicherlich eine Tat von Weltbedeutung, aber sie erinnert in ihren Methoden an die einst in Amerika und anderwärts angewandten und ist in der Hauptsache das Werk von Sklavenarbeitern. In der Holzindustrie des Nordens und Sibiriens sind nur Zwangsarbeiter beschäftigt, in den Goldgruben zum großen Teil ebenso wie in den Kohlenbergwerken von Kusnezk und Karahand. Die Kupferindustrie in Balmasch, die Elektrizitätswerke in Zentralasien sind von Häftlingen aus den «Arbeitskolonien» geschaffen. Selbst in der Ukraine ist die Traktorenfabrik zum Teil von Zwangsarbeitern errichtet worden. Der Moskau-Wolga-Kanal im Herzen des europäischen Rußlands, die Eisenbahnen und Autostraßen im Fernen Osten, die Befestigungen längs der Mandschurischen Grenze, das alles wird von einer gewaltigen Armee von Sklaven, die unaufhörlich durch neue ersetzt werden, gebaut. Es ist wohl nicht übertrieben, zu behaupten, daß ein Drittel der Arbeiterklasse in Rußland aus Sklaven besteht. Diese fast nichts kostende Zwangsarbeit macht außerdem die Aufgabe, die Löhne der theoretisch freien Arbeiter niedrig zu halten, bedeutend leichter.»

«1930 und Anfang 1931 führte die Regierung zur Verwirklichung ihres Industrialisierungs- und Produktionsplans vor allem den Arbeitern gegenüber Zwangsmaßnahmen durch: obligatorische «Wettbewerbe» in den Fabriken, forcierte «Udarnik» («Aktivisten»)-Leistungen, Abschaffung des Rechts der Arbeiter, ihren Arbeitsplatz zu wechseln, Gewährung des «Rechts» auf Nachtarbeit und Arbeit im Kohlenbergbau an Frauen und Jugendliche usw. Diese Maßnahmen bewirkten im Ausland eine Kampagne gegen die «Zwangsarbeit», aber andererseits wiegte die offizielle Phraseologie die westlichen Länder in dem Glauben, die Sowjetregierung sei im Begriff, wenn auch mit barbarischen Methoden, etwas dem Sozialismus Ähnliches zu schaffen.
Die Reformen, die von Juni 1932 an einander auf dem Fuße folgten, enthüllten das wahre Gesicht des Regimes. Stalin belegte eine der dem Herzen des Arbeiters teuersten Errungenschaften, eine der letzten der Oktoberrevolution, die man ihnen noch nicht entrissen hatte, mit dem Bann: das Prinzip der wirtschaftlichen Gleichheit innerhalb des Proletariats. Auf Befehl des Diktators wurde ein neues Evangelium verkündet: die Arbeiter-Hierarchie, die Reformierung des Lohnsystems, mit dem Ziel «in der Bezahlung größere Unterschiede zwischen der höchsten und niedrigsten Leistungsstufe zu schaffen». Dieses im wesentlichen kapitalistische Prinzip wurde als dem Sozialismus und Kommunismus konform hingestellt. Dem Prinzip, an dessen Stelle es trat, wurde gnadenlos der Krieg erklärt und als kleinbürgerliche «Nivellierung» gebrandmarkt.»


26 Antworten auf „Ante Ciliga: Sozialistische Hebel von unten betrachtet“


  1. 1 Neoprene 24. Juli 2009 um 20:55 Uhr

    Her mit dem PDF! (Für den Fall, daß ich hier als Kommunist durchgehe)

  2. 2 lysis 24. Juli 2009 um 21:08 Uhr

    uuh, du hast die moderation ausgeschaltet … bitte löschen!

  3. 3 Tioum 24. Juli 2009 um 21:10 Uhr

    Genosse Neoprene, natürlich. Sie haben Post.

    Lysis: Juli durch August ersetzen. Rest ist Ok. Grüsse.

  4. 4 narodnik 24. Juli 2009 um 21:18 Uhr

    Her mit dem PDF! (Für den Fall, daß ich hier ebenfalls als Kommunist durchgehe)

  5. 5 bigmouth 24. Juli 2009 um 21:38 Uhr

    muss sich nicht jetzt irgendwer melden und stalin verteidigen, weil der ja hitler… ? ;-)

  6. 6 schorsch 24. Juli 2009 um 22:36 Uhr

    Her mit dem PDF! (Für den Fall, daß ich hier ebenfalls als Kommunist durchgehe)

  7. 7 Tioum 24. Juli 2009 um 22:43 Uhr

    Lysis: Done und Moderation wieder eingeschaltet.

    Narodnik: Wenn du in deinem Blog ein Kontaktformular oder eine ähnliche Kontaktmöglichkeit hättest, würd ich dir das umgehend schicken.

  8. 8 Tioum 24. Juli 2009 um 23:05 Uhr

    Schorsch. Post. Ob du dir die Plakette „Kommunist“ anheften darfst, hängt nicht zuletzt davon ab, ob du Kommunisten wie Krahl leztendlich selber liest, oder dich doch nur darauf beschränkst, seine (oftmals nachvollziehbaren) Wutausbrüche psychologisch zu deuten.

  9. 9 narodnik 24. Juli 2009 um 23:22 Uhr

    HIER habe ich doch die eMail-Adresse angegeben!

  10. 10 schorsch 25. Juli 2009 um 14:21 Uhr

    Irgendwie habe ich so einen definitionsmächtigen Geschmacksbezug auf die geklammerte Einschränkung meiner Aufforderung erwartet. Ich habe jetzt kleine Lust mich hier über die Krahl Aussprüche zu streiten. Das habe ich auf meinem Blog schon getan und hab auch nichts dagegen, dort weiterhin auf Kritik einzugehen.

    Wie dem auch sei: Danke jedenfalls für die PDF-Datei! Leider funktioniert der Zugriff auf die Datei aber nicht…ich versuche es später nocheinmal.

  11. 11 Tioum 25. Juli 2009 um 16:50 Uhr

    Ich hätte da dann auch noch das eine oder andere wirklich bedenkliche Mitscherlich-Zitat beizusteuern und würde gerne ein paar Knoten in deiner Argumentation entwirren. Vielleicht demnächst. Bis dann grüsst definitionsmächtig: Tioum

  12. 12 narodnik 25. Juli 2009 um 17:42 Uhr

    Meine eMail-Adresse ist hier eigentlich mit angegeben! Auf meinem Weblog findet sich übrigens der vollständige Filmausschnitt zum Aufeinandertreffen von Krahl und Mitscherlich. Inklusive psychoanalytischem Kommentar, von wegen die ApO sei ein Wiedergänger der Hitlerjugend.

  13. 13 far 26. Juli 2009 um 14:29 Uhr

    da!

  14. 14 Entdinglichung 27. Juli 2009 um 9:57 Uhr

    auch pdf haben!

  15. 15 subversor 27. Juli 2009 um 11:28 Uhr

    PDF me. Mail mich über mein Blog an :/

  16. 16 crull 27. Juli 2009 um 13:20 Uhr

    Ich mag das auch haben, alleine um keiner derjenigen zu sein, die’s nicht haben. Mail siehst du ja, denke ich. Merci bien!

  17. 17 Tioum 27. Juli 2009 um 19:35 Uhr

    Es kümmt.

  18. 18 Tioum 28. Juli 2009 um 0:22 Uhr

    Da war einiges im Spamfilter. Keine Ahnung wieso. Postversand demnächst.

  19. 19 Adrian Lang 09. November 2009 um 23:17 Uhr

    Würde mich auch sehr über die PDF-Datei freuen.

  20. 20 tony 10. November 2009 um 22:48 Uhr

    hallo, ich hätte auch gerne die pdf, wenn das noch möglich ist.

  21. 21 me too 11. November 2009 um 2:06 Uhr

    wenn möglich.

  22. 22 Hallo 11. November 2009 um 17:38 Uhr

    Für mich auch gerne.

  23. 23 ambivalenz 23. November 2009 um 14:02 Uhr

    ich hätte ebenfalls interesse an dem pdf.

  24. 24 KvK 25. November 2009 um 10:20 Uhr

    Bitte Ciliga-Link.
    Danke.

  25. 25 bigmouth 30. November 2009 um 15:34 Uhr

    schick’s mir doch auch mal! mailadresse stimmt

  26. 26 wayne 27. Januar 2010 um 22:19 Uhr

    gibbet dieses PDF von dem Buch immer noch? Denn dann würde ich gerne um eine eMail mit Link bitten.

    Merci

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