Archiv für September 2009

Konkurrenz statt Solidarität

Wolfgang Schaumberg von der Opel-Basisgruppe «Gegenwehr ohne Grenzen» über die internationale Konkurrenz: Der Betriebsrat [von Opel] in Antwerpen hat schon vorgerechnet, dass die Autoproduktion dort preisgünstiger als in Bochum ist.

Armut 1

Eine höchst merkwürdige Sache – solch ein erster Kontakt mit der Armut. Soviel hat man über die Armut nachgedacht – sie ist das, was man im Leben immerzu gefürchtet hat, das, von dem man weiss, dass es früher oder später eintreffen würde; und dann ist es so alltäglich, so durch und durch anders als die eigenen Vorstellungen. Man dachte, es wäre alles ganz einfach; es ist aussergewöhnlich kompliziert. Man dachte es wäre schrecklich; es ist nur schmutzig und langweilig. Es ist das so besonders Erniedrigende, das man an der Armut zu allererst bemerkt; die Veränderungen, denen sie einen unterwirft, die komplizierte Filzigkeit, das Entkrusten.
Man entdeckt beispielsweise die Geheimniskrämerei, die mit dem Armsein eng verbunden ist. Plötzlich und auf einen Schlag ist man auf ein Tageseinkommen von sechs Francs reduziert worden. Aber natürlich wagt man das nicht zuzugeben – man hat so zu tun, als lebe man ganz wie immer. Von Anfang an wird man in ein Netz aus Lügen verwickelt, und sogar mit Lügen ist das ganze kaum zu bewerkstelligen. Man hört auf, Wäsche zur Wäscherei zu geben; also trifft einen bald die Wäschefrau auf der Strasse und fragt nach dem Grund; man murmelt irgendetwas, und sie, die natürlich glaubt, man gäbe die Wäsche woandershin, wird für einen zum lebenslangen Feind. Der Tabakhändler fragt immer und immer wieder, warum man seine Ration heruntergeschraubt habe. Da sind Briefe, die beantwortet werden sollten, aber man kann nicht, weil die Briefmarken zu teuer sind. Und dann die Mahlzeiten – die Mahlzeiten sind überhaupt das allergrösste Problem…
(Georg Orwell; Erledigt in Paris und London)

Ein Gedicht 1

Das Ende der Kritik ist der Anfang des Hasses
Die Kritik ist kaputt. Ihrer Sprengkraft beraubt der unfassbaren Dummheit wegen. Als müsste man noch irgendjemandem erklären, wie elend es um die Welt bestellt ist. Als würde die korrekte Kritik des Immergleichen dieses Immergleiche auch nur einen Moment tatsächlich berühren. Als könne die Erkenntnis das Elend abschaffen, das sich auf den Strassen und in den Wohnungen gegenseitig über den Haufen schiesst. Während in den Studierkammern die Köpfe rauchen, brennt die Welt. Das Flugblatt zum Krieg trifft die Herzen der Menschen weit weniger als die Bomben und Gewehrkugeln die Köpfe ihrer Opfer. Die Leute sind zu sehr damit beschäftigt, sich im wahrsten Sinne des Wortes durchzuschlagen. Es ist der Hass, der uns beherrscht. Er sitzt fest in unseren Hinterköpfen. Wir lernen schon mit dem Öffnen unserer Augen, dass jeder ein potentieller Feind ist. Dass man sich um irgendwohin zu kommen gegen den Rest durchschlagen muss. Unsere Ellbogen werden an Stelle unserer Herzen in Kindergarten, Schule und Lehre gefördert. Und doch verachtet und bestraft man uns, wenn wir uns entsprechend verhalten. Man versteht nicht, wieso das Opfer, das am Boden liegt, noch lange nicht fertig ist. Man versteht nicht, warum Verachtung und Hass unser Leben bestimmen. Ganz als wollten wir das so und wären nicht bei Strafe des Untergangs gezwungen uns diesen Ritualen zu unterwerfen. Sie nicht nur in Blut und Fleisch übergehen zu lassen, sondern sie zu potenzieren. Das Ende des Hasses; der Anfang der Kritik?

Publizistische Konterreform

Das Verlautbarungsorgan der Schweizer Bourgeoisie stellt seine Leser auf magere Jahre ein: «Der Spielraum für die Lohnrunde 2010 ist ungemütlich klein»

Nagende Kritik

Die «nagende Kritik der Mäuse» (Karl M.) umgesetzt von Tauben.
Den Blognachbarn reut’s übrigens um die Druckkosten.

Cut up bzw. shut up

Sowas macht man, wenn man intellektuell & schriftstellerisch nichts drauf hat und eigentlich auch gar nichts zu sagen weiss:

Der größte Selbstmordterrorist war die deutsche Volksgemeinschaft: an ihm orientiert sich bewußt oder unbewußt alles, was heute gegen die USA und Israel kämpft, um gleichzeitig mit und gegen den Kapitalismus zu kämpfen (Gerhard Scheit). Zugegebenermaßen: Das alles ist nur schwer verständlich (und ich habe es selbst auch nicht verstanden), denn es ist ja die gesellschaftspraktisch gewordene Metaphysik (Joachim Bruhn). Dies jedoch hindert […] nicht daran, unmittelbar im Anschluß folgenden Satz zu formulieren (Alex Gruber): Anders als auf den Begriff Rassismus, der allenfalls von historischem Interesse ist, kann also auf den Begriff der Rasse nicht verzichtet werden, denn er erinnert daran: Deutsche, die dem Führer bis zuletzt die Stange gehalten haben; Berufspalästinenser… (Clemens Nachtmann)

Rap für Deutschland 2

Nachschlag:
Afrob ärgert sich, dass «Politik […] einfach nicht für die Jugendlichen zugänglich gemacht [wird]», obwohl Deutschland doch mit Merkel eine «schlagfertige, freche Göre [sein eigen nennen kann]. Die zerstört dich mit einem Satz»! Und so schliesst er folgerichtig: «Schwarz-Gelb. Das sind die einzigen, die uns noch retten können. SPD und Rot-Grün ist mir zu viel Ideologie.»


Schwarz-Gelb wählen. Oder es knallt!