Zerschlagt die Universität!

In Wien und anderswo besetzen Studenten ihre Universität und fordern allerhand. Per Livestream kann man ihnen dabei zusehen. Aus diesem Anlass sei hier auf den älteren Text «Zerschlagt die Universität» von André Gorz hingewiesen, der sich mit der Funktion der Elitebildungsanstalten im Kapitalismus auseinandersetzt:
«Die Linke hat nie gegen die klassenmäßigen Auswahlkriterien gekämpft – sie hätte dann gegen die Auswahl selbst und das Schulsystem als Ganzes kämpfen müssen, sondern sie kämpfte für das Recht aller, in die Auswahlmaschine eintreten zu dürfen. Der widerspruchsvolle Charakter dieser Forderung blieb solange verborgen, als das Recht zwar theoretisch allen offen stand, die überwiegende Mehrzahl aber keine Möglichkeit hatte, praktisch davon Gebrauch zu machen. In dem Augenblick aber, wo mithilfe einer weiterverbreiteten Bildung es für die meisten möglich wird, von einem in der Theorie bestehenden Recht praktisch Gebrauch zu machen, wird der Widerspruch deutlich: wenn die Mehrzahl zu den Hochschulen Zugang erhält, verlieren diese ihre Funktion als Instrument der Auslese. Das Recht, studieren zu dürfen und das Recht, die soziale Stufenleiter empor zu klettern, laufen nicht mehr parallel. Wenn auch vielleicht noch alle studieren können, so können jedenfalls keineswegs mehr alle auch mit einer privilegierten Stellung rechnen.»


Dann selektiert halt der Arbeitsmarkt.

Launigeres über das ganz gewöhnliche Elend im Studentenmilieu hat die Situationistische Internationale zu sagen:
«Da für ihn noch einige Krümel vom Prestige der Universität abfallen, freut sich der Student immer noch, Student zu sein. Zu spät. Der mechanisierte und spezialisierte Unterricht, den er empfängt, ist ebenso heruntergekommen wie sein eigenes intellektuelles Niveau im Augenblick seines Studienantritts, aus der einzigen Tatsache heraus, daß das alles beherrschende ökonomische System die Massenhestellung ungebildeter und zum Denken unfähiger Studenten verlangt.»


29 Antworten auf „Zerschlagt die Universität!“


  1. 1 heinrich.osbert 03. November 2009 um 1:01 Uhr

    1. konstatiert mensch damit nicht ein totales system. inwiefern ist es dann möglich, überhaupt noch kritisch zu sein.

    2. gab es nicht mal soetwas wie den gedanken von der „dialektik der aufklärung“? das heißt doch auch, dass es bestimmte gegenstände in dieser gesellschaft gibt, die über sie hinausreichen.

    3. ist bildung nicht potenziell ein solcher gegenstand?

    4. ist es nicht bloße verbalradikalität, was du hier praktizierst?

    kurz: der text ist doch scheiße. klar muss radikale kritik an diese kiste. das heißt aber doch nicht, dass diese forderungen grundsätzlich falsch sind. vor allem finde ich es wichtig zu betonen, dass doch irgendwo irgendwie irgendetwas entstehen muss. mit so einer kritik wie deiner bastelst du doch an einer völlig idealistischen vorstellung herum: als ob irgendeine bewegung so mir nichts dir nichts einfach so mit dem richtigen bewusstsein auf die welt käme (und als ob soetwas im vorhinein zu bestimmen wäre)! was dahintersteht ist doch klar: als politischer mensch muss mensch über alles bescheid wissen. das geht am einfachsten, wenn mensch seine zwei abstrakten begriffe hat („radikal!“, „kommunismus!“), die dann einfach auf jeden beliebigen gegenstand eingewandt werden. dass dieser (auch politisch) maßlos verfehlt wird, ist ja nebensächlich. wen interessiert auch eine tatsächliche veränderung? am ende verlöre mensch noch seinen geliebten kritikgegenstand.

  2. 2 heinrich.osbert 03. November 2009 um 1:02 Uhr

    und zu deinem slogan „Dann selektiert halt der Arbeitsmarkt“: ja, genau, nur weil dann später ein selektionsmechanismus ansteht, ist ein bildungsfreiraum an sich katastrophal. klaro. liegt ja eh scheiße am ende des weges, da sollten wir doch einfach den ganzen weg badewannentief damit zupflastern. das ist kommunismus!

  3. 3 Tioum 03. November 2009 um 2:08 Uhr

    Wo und wie steht denn da, dass eine kommunistische Bewegung gleich pfannenfertig vom Himmel fällt? Im Gegenteil ist so ein Text doch gerade eine notwendige Kritik an den Irrungen und Wirrungen des studentischen Bildung-für-Alle-Idealismus. Das mag man dann vielleicht nicht hören, weil’s das «wir sind ganz viele und ganz laut» vielleicht etwas relativiert. Der Text trifft zwei ganz wesentliche Fehler, die du in deinem Beitrag eben auch machst:

    1. Die Funktion der Uni ist nicht die, einen Freiraum für Bildung zur Verfügung zu stellen. So was fällt immer bloss als mögliches Zufallsprodukt bei der eigentlichen Funktion der hohen Bildungsanstalten ab: Selektionsmechanismus für die künftige Elite zu sein (die Massenunis erfüllen diese Aufgabe nur noch teilweise, darum gibt’s auch allerhand Ex-Akademiker die Handarbeiten verrichten) und – nebst Erkenntnis meist im naturwissenschaftlichen Bereich – die ideologische Rechtfertigung dieser Gesellschaft zu liefern.

    2. Bildung ist nicht an sich ein «Gut» das über diese Gesellschaft hinausweist. Bildung hat immer einen spezifischen Inhalt und der ist in der Regel – man staune – ganz schön affirmativ. Du kannst dich gerne an der nächsten Uni in den Fächern Psychologie, Soziologie oder Wirtschaftswissenschaften umsehen. Du trennst in deiner Ansicht gesellschaftliche Spielräume die in Sitatuionen der Klassenauseinandnersetzung entstehen und eben auch an Unis ihren Niederschlag finden von ihren gesellschaftlichen Voraussetzungen und tust gerade so, als sei die Uni isolierte Denkkammer für revolutionäre Umtriebe.

    Kurz zu deinen Punken – sofern sie nicht bereits beantwortet wurden:

    1. Nein. Kommunist sein, kann man grundsätzlich überall: In Schule, Kirche (da wirds schwer) oder auch auf dem Fussballplatz.

    2/3. Wie oben angeführt: Da kommts dann schon noch auf den konkreten Inahlt der Bildung an. In zumindest hab noch selten einen kreuzaffirmativeren Trottel gesehen als den, der aus einer Vorlesung über VWL kam.

    4. Das hat das Bloggen so an sich. Steine schmeissen sieht so komisch aus in diesem Blogsport-Design.

  4. 4 Tioum 03. November 2009 um 2:24 Uhr

    Übrigens: Ich will keineswegs in Abrede stellen, dass Menschen – auch Studenten – lernen können und das Lernprozesse in Kämpfen oftmals ganz andere Dynamiken annehmen als man das in der Kapitallesegruppe vermutet hätte. Ich schau mir auch den Stream mit teilnehmendem Interesse an und bin gespannt, wie sich die Sache entwickelt. Daraus kann möglicherweise etwas Interessantes entstehen. Es wäre aber – und darum auch dieser Beitrag – sicher nicht das verkehrteste, wenn Texte wie der verlinkte gelesen würden.

  5. 5 Neoprene 03. November 2009 um 10:54 Uhr

    Es stimmt übrigens nicht, daß die gesamte Linke nichts zur Uni als Auslesemechanismus sagen würde. Das ist z.B. beim GegenStandpunkt ein ganz zentraler Punkt, z.B. hier dokumentiert: http://neoprene.blogsport.de/2009/10/15/bildungsstreik-2009-der-staat-effektiviert-die-ressource-bildung-schueler-und-studenten-streiken-fuer-ihr-ideal-davon/ .
    Und selbst Wortführer der Gruppe und Interventen in die Studierendenbewegung wie Freerk Huisken sagen da auch so was wie „Ich will keineswegs in Abrede stellen, dass Menschen – auch Studenten – lernen können und das Lernprozesse in Kämpfen oftmals ganz andere Dynamiken annehmen als man das in der Kapitallesegruppe vermutet hätte.“ Nur müssen die Leute da schon ein klein wenig Abstand zu ihrem regen Treiben als Studenten einnehmen, damit sie auch zu vernünftigen Schlußfolgerungen kommen können.

  6. 6 dinimuetr 03. November 2009 um 12:23 Uhr

    „klar muss radikale kritik an diese kiste. das heißt aber doch nicht, dass diese forderungen grundsätzlich falsch sind. “

    entweder sind die forderungen grundsätzlich falsch, dann brauchts radikale kritik. oder sie sind grundsätzlich richtig, dann brauchts gar keine kritik.

    wenn du meinst ein uni-studium (wo notabene der bürgerliche kapitalistische staat den lehrplan macht) habe das potential „über die gesellschaft hinauszureichen“ dann lass dir gesagt sein, dass sich solches „potential“ in jeder verstaubten ecke findet und an sich überhaupt keinen wert hat, potential ist nämlich nichts anderes als „könnte, was nicht ist“.

  7. 7 l 03. November 2009 um 15:34 Uhr

    danke für den beitrag, tioum. scheiss bildungsidealismus („bildung ist ein menschenrecht!“ – ach); vom „zufall“, die selektion bis zur matura zu übersehen, ganz zu schweigen. naja, nicht mal die forderung nach abschaffung der noten haben sie auf dem miesen programm. noten und selektion sind schon OK, aber fair bitte!
    konkurrenzgewinnler klagen faire und v.a. auch angenehme bedingungen zur fortsetzung ihrer konkurrenz ein – da kriegt man auch solidaritätsbekundungen von spö und grünen.

  8. 8 Tioum 03. November 2009 um 17:35 Uhr

    Neoprene; Es dürfte dir nicht entgangen sein, dass die Freunde des GSP sich gerne als Kommunisten gerade in Abgrenzung zur Linken definieren. Und das nichtmal gänzlich unbegründet.

    L: Das ist halt leider überall dasselbe. In Bezug auf die Proteste in Österreich war das von mir erstmal ein Schuss ins Blaue – der aber anscheinend getroffen hat.

  9. 9 Neoprene 03. November 2009 um 22:02 Uhr

    Ja, Tioum, natürlich weiß ich es auch (sogar schon etwas länger), daß GSPler sich für Kommunisten halten, und die anderen Linken nicht dazu zählen, auch wenn die sich ab und an, wenn auch seltener als früher noch, selber noch viel mehr für Kommunisten halten.

    Und einer der Gründe, warum das Urteil der GSPler häufig leider stimmt, ist die ganz und gar nicht radikale Kritik der fast schon geschlossenen Linken, sei sie nun ehrlich gar nicht erst kommunistisch aufgestellt, sei sie nun ganz ganz rot, an der Bildung in Deutschland.

  10. 10 Piotr 04. November 2009 um 16:16 Uhr

    Was mir immer wieder auffällt, und auch hier, ist der Verweis auf den Zweck (wahlweise auch: „Witz“) der Uni als Ausleseinstitution neben andere. Dann wird daraus erklärt, dass ja die Forderungen wie z.B. „Bildung für alle“ so schrecklich blöde sind, weil sie ja diesen Zweck/Witz gar nicht checken würden. So zumindest mein Verständnis. Ist es dann aber nicht grundsätzlich so, dass eben in dieser Forderung die Formel für eine faktische Zerschlagung innewohnt? (Unbewusst natürlich).

  11. 11 l 04. November 2009 um 21:14 Uhr

    (Unbewusst natürlich).

    HAHA

    da bedankt sich „die bewegung“ aber, wenn sie im anschluss keinen titel haben. sie wollen doch angenehmere bedingungen fürs an den titel rankommen!

  12. 12 l 04. November 2009 um 21:30 Uhr

    bildung für alle ist blöde, weil es sich an den staat richtet, der es so einrichtet, dass keine bildung für alle drin ist. statt dem den kampf anzusagen, wird er als retter der unis vor der ökonomisierung hochgejubelt (nur leider sind derzeit die falschen am runder – die soliaddressen der spö & der grünen hat man aber schon). erstens.
    zweitens fordern die das doch nicht mal wirklich. ich suche immer noch nach der bewegungs-forderung: „abschaffung der matura als zugangsvoraussetzung – hauptschüler an die uni!“ diese forderung werde ich auch morgen noch suchen. soviel „zerschlagung“ soll’s dann auch „unbewusst“ nicht sein.
    drittens: wenns hochkommt (es sind ja verschiedenste gruppen), beklagen sie frei nach bourdieu die mangelnde fairness (soziale selektion) und fordern hier ebendiese fairness ein. nur: bourdieu wusste wenigstens noch, dass „chancengleichheit“ ne fatale ideologie ist, dass das nicht funktioniert im system. zudem heißt das ja nichts anderes, dass man am sortieren nach unten und oben eigentlich so wirklich viel nicht zu beklagen hat. es soll halt nur die richtig dummen treffen (man sollte da vorurteilslos urteilen)! die sitzen dann zurecht auf nem scheissjob mit scheisslebensqualität und kürzerer lebenserwartung – und haben keinen zugriff auf bildung (^^ siehe – hauptschüler an die uni).
    viertens: nicht mal die abschaffung der noten und titel fordern sie. wäre ja auch ein witz: sie wollen die titel doch, weil sie besser aussteigen wollen in der konkurrenz (im „realen leben“ im anschluss). sonst könnten sie eben auch den umbau der unis zu gratis volkshochschulen fordern. tun sie nicht, lieber die noten beibehalten, man muss schließlich auch unter den studenten sortieren.
    fünftens: was für bildung ist das denn?

    und dann meinst du, das seien „unbewusste systemsprenger“?! na meinetwegen – aber verlange doch bitte nicht von anderen, ihre kritik stecken zu lassen, nur weil du so hoffnungsvoll sofort ne revolutionäre bewegung erkennst (die nicht mal um sich selber weiß!).

  13. 13 l 04. November 2009 um 21:49 Uhr

    noch kurz zu fünftens: alle reden von der tollen bildung, die einen zu einem guten menschen macht. daher uni für alle. aber niemand redet davon, dass es bildung nicht nur auf der uni gibt (oder, wenn es um richtige erkenntnisse geht, bis auf wenige ausnahmen wahrscheinlich korrekter: gerade nicht auf der uni). warum? weil jedem klar ist, dass es nicht um „die“ bildung geht – da kann man in die bibliothek gehen zB, man kann gemeinsam mit arbeitern einen lesekreis organisieren versuchen u.s.w. –, sondern um eine ganz bestimmte bildung: die verwertbare, die mit einem zeugnis ausgestattete, die einen dann (hoffentlich, sicher ist das ja nicht mehr) auf einen erträglichen job setzt (erträglicher als: fließband zB).

    du meinst nun, die fordern da unbewusst die systemsprengung – wenn alle ne topverwertbare ausbildung haben … dann?! – mal davon abgesehen, dass die das nicht wollen, die bewegungstypen (sonst hätten sie, wie oben dargelegt, auch was gegen matura und co). – dann passiert das, was jetzt schon zum teil passiert; dann halt in extrem verstärkter form: die konkurrenz findet halt nach der uni statt (derzeit: setzt sich nachher fort). was meinst du, woher der lohnverfall der akademiker in den letzten 20 jahren kam? da kannst du dich dann ans fließband stellen als dr. und das soll systemsprengend sein? davon, dass alle arbeitslosen und schlechtbezahlten akademiker zu marxisten fänden, hab ich aber noch nichts gehört.

    zudem ist es bescheuert. der staat setzte all das die letzten jahre genau deshalb durch: er braucht derzeit nicht so viele romanisten, germanisten, philosophen etc für seinen standort. er braucht vllt ingenieure, aber dafür leistet sich der staat kein „emanzipatorisches“ all-inklusive studium. und dann wendet man sich an den guten staat, der das tolle gemeinwohl ordentlich verwalten solle. na servus.

    sorry für spaming

  14. 14 Neoprene 04. November 2009 um 21:58 Uhr

    Gant unironisch würde ich Piotr entgegenhalten wollen: Ja, da muß schon ganz schön viel an Bildungseinrichtungen „zerschlagen“ werden, also abgeschafft, bzw. vom Kopf auf die Füße gestellt usw. werden, damit in einer vernünftigen Gesellschaft später mal auch die Aneignung und Vermittlung von Wissen, die Forschung nach dem Neuen vernünftig ablaufen kann.

    Der „Witz“ ist hierbei, daß es weitgehend purer Luxus ist, sich in einer Gesellschaft, die sowas so dringend braucht wie einen Kropf, Gedanken darüber zu machen. Da reicht es meines Erachtens, (na „reichen“ ist auch schon wieder eine Beschönigung) sich darüber klar zu werden, welch ungemütlichen Zwecken dieses ungemütliche Schul- und Bildungswesen dient. Um sich dann darüber Gedanken zu machen, wie zum Teufel man los wird, daß diese Zwecke bestimmen, was Menschen so alles anstellen müssen. Ganz bewußt natürlich.

  15. 15 Piotr 05. November 2009 um 1:02 Uhr

    Nein, nein. Die fordern das nicht. Aber die Forderung ist an sich nicht verkehrt. Darum ging es mir. Außer man dreht das ganze noch ein bisschen weiter und kommt wie Neoprene auf den Trichter, dass man dann noch mindestens „Seminarräume zu Stuhlkreisen“ fordern müsste. Meinetwegen.

  16. 16 Piotr 05. November 2009 um 11:41 Uhr

    Ich habe mir gerade mal durchgelesen, was l da so schreibt. Unglaublich.

  17. 17 Neoprene 05. November 2009 um 19:49 Uhr

    Ich habe mir gerade mal durchgelesen, was Piotr da so schreibt. Unglaublich!

  18. 18 l 05. November 2009 um 21:55 Uhr

    Unglaublich.

    ich nehme an, du bist einverstanden. sonst käme wohl mehr, zB ein gegenargument. sehr schön.

  19. 19 l 06. November 2009 um 2:12 Uhr

    das möchte ich euch nicht vorenthalten:

    Den Höhepunkt des heutigen Aktionstages “Freie Bildung für alle” bildete ein Trauermarsch zur Beisetzung der jüngst verschiedenen freien Bildung. Der Zug von 500 DemonstrantInnen, unter ihnen viele ProfessorInnen und LehrveranstaltungsleiterInnen der Universität, ging von der gesellschaftswissenschaftlichen Fakultät durch die Innenstadt über die Staatsbrücke zum Mirabellplatz. Die Forderungen wurden in Fürbitten formuliert und in Litaneinen wurde Wissenschaftsminister Hahn, sowie weitere PolitikerInnen, zum Handeln angerufen: “Scheinheiliger Hahn — handle für uns”. Unter den altehrwürdigen Mauern der St.Andre Kirche wurden die Grabesreden gehalten. Im Anschluss an die Demonstration wurde beschlossen auszuharren und die Proteste fortzuführen, bis die freie Bildung sich aus dem Grabe erheben wird.

    http://www.unibrennt-salzburg.org/2009/11/05/protestierende-studentinnen-tragen-in-salzburg-die-bildung-zu-grabe/

    warum gibt es hier keine clown-smilies, tioum?!

  20. 20 Piotr 09. November 2009 um 16:23 Uhr

    „ich nehme an, du bist einverstanden. sonst käme wohl mehr, zB ein gegenargument. sehr schön.“

    Gegen deine Allgemeinplätzchen habe ich natürlich nichts („ja, Mensch, die fordern ja gar nicht „HauptschülerInnen an die Uni“!?!?!“ sinngemäß l), aber diese ausschweifende Art, sich eine Unterstellung zusammenzureimen und dann so einen Wust hinterherzuschieben, da bin ich halt erstmal sehr verwundert.

  21. 21 l 11. November 2009 um 17:33 Uhr

    das mit der unterstelleung solltest du nachweisen – und zwar bitte punkt für punkt. sonst ist das eine bloße behauptung.

  22. 22 Piotr 11. November 2009 um 22:29 Uhr

    Ja, ein leichtes: Also, wenn ich explizit eine Aussage über eine Formel mache, dann ist das (und schon gar nicht in diesem Falle) eine Aussage über eben diese Formel und nicht (so die Unterstellung) eine Aussage über irgendwen, der sie im Munde führt.

  23. 23 neo aka O)(O 16. November 2009 um 6:57 Uhr
  24. 24 Neoprene 17. November 2009 um 3:00 Uhr
  25. 25 heinrich.osbert 25. November 2009 um 2:59 Uhr

    habe die diskussion etwas aus den augen verloren. ganz kurz und wirklich nur anrisse, weil ich die debatte hier echt recht mies finde (läuft doch so nach dem schema f ab: x passiert, kommunismuskeule (wer sagte noch gleich, dass kommunismus die reale bewegung ist und nicht das ideal…?) wird geholt, x wird äußerst oberflächlich angesehen, um x dann mit der kkeule solagen zu verprügeln, bis das gebiet politisch bearbeitet aussieht und idR mann sich zurücklehnen kann, um dann endlich wieder gemütlich sein internet zu befüllen. dass dabei so ziemlich alles außer sicht gerät, kollateralschaden halt.

    - wie ist es möglich, über eine vernünftige gesellschaft in irgendeiner weise positiv zu reden, wie bei dir neoprene es anklingt?
    - „der staat braucht“ ist eine völlig verkürzte formel. der staat steht hier doch nur für: die kapitalistische logik. nur weil sich dsa zurecht sehr sonderbar anhört (wie kann denn soetwas abstraktes politisch anhört?), sagt mensch halt: der staat. damit ist überhaupt nichts in der analyse gewonnen außer der gemeinplatz: bildung hängt mit der kapitalistischen logik zusammen. nur: wie das konkret hier aussieht (denn es ist doch nicht so, dass die kapitalistische logik ganz rein wie ein engelchen realität schafft), darüber sagt das nur sehr wenig aus.
    - bildung hier in dieser funtion ist in dieser entstanden, dh ist zutieft von all dem kram durchdrungen. dazu brauch es kein böses äußeres.
    - aber: die uni ist eben auch ein ort der möglichen reflexion. das ist kein bildungsidealsismus, das vorherige gilt. aber das bedeutet eben nicht, dass eine reflexion über das, was ist dort nicht möglich wäre
    - und ja: dieser bildungsstreik organisiert in der tat nur den eigenne vorteil, es geht um bessere studienbedingungen, um die bessere ausbildung zu ermöglichen (die rede von der kommodifizierung der bildung ist nicht falsch, denn die uni war doch sehr viel stärker einmal dem kapitalistischem regime entzogen, nicht total, aber vergleichsweise, wie sehr, das wird erst jetzt deutlich: mit ects etc wird eben eine marktsituation hergestellt)
    - letzteres zeigt vllt deutlich, warum es eben falsch ist aufgrund seiner schön abstrakten begrifflichkeit die ganze welt ableiten zu wollen: es fällt einfach total viel hinten runter
    - radikale kritik und konkrete forderungen können sehr wohl nebeinander existieren — es gibt doch nichts, was mir verbietet, gegen das stipendiensystems oder für ein grundeinkommen zu sein und gleichzeitig zu versuchen, konsequent zu diskutieren; das sind lediglich zwei verschiedene ebenen, das verharren auf der sogenannten realpolitischen ebene dagegen ist das problem, das sich-verabschieden von ihr allerdings ebenfalls falsch: denn er ist ja da draußen, der real-existierende kapitalismus, schlechterdings und ich muss vermutlich noch auf einige jahre mit ihm umgehen. da nützt mir (und vielen anderen menschen) ein grundeinkommen oder weniger repressive arbeitslosengesetze in der tat viel. das ganze ließe sich ja auch zusammen denken: wie hier möglichkeitsräume (!) schaffen (wie die uni einer sein kann)?

    - es ist viel zu spät und ich hab eigentlich gar keine zeit die diskussion hier zu führen, sorry für die anrisshaftigkeit. gute nacht. hoffe, ich werde dafür nicht gesteinigt. wir könnten ja auch mal überlegen, ob nicht soetwas wie ein gemeinsamer diskurs sinnvoller wäre als clown-smilies oder sich-hinter-ironie-verschanzen…

  26. 26 Neoprene 25. November 2009 um 21:50 Uhr

    Ich verstehe ja den Wunsch „– wie ist es möglich, über eine vernünftige gesellschaft in irgendeiner weise positiv zu reden?“
    Das kommt mir aber regelmäßig um Längen zu früh. Angesichts der Welt, in der wir nun leider jetzt noch leben, scheint es mir wichtiger, sich und den anderen mit denen man überhaupt reden kann, dazu zu bringen, zu erkennen, was genau unvernünftig ist an dieser Welt. Ansonsten bin ich der Letzte, der über die postrevolutionäre vernünftige Gesellschaft nicht reden wollte und würde.

    „„der staat braucht“ ist eine völlig verkürzte formel. der staat steht hier doch nur für: die kapitalistische logik“
    Was heißt denn hier „nur“? Vor allem im Zusammenhang mit dem Bildungsstreik. Da wäre schon verdammt viel gewonnen, wenn dieses „nur“ auch nur einigen Handvoll nahezubringen wäre. Das sehe ich nämlich überhaupt nicht.

    Es stimmt auch nicht, daß es da bisher niemand gäbe, der diesen „Gemeinplatz“ nicht „konkret hier“ auszufüllen willens und in der Lage wäre. Freerk Husiken hat jetzt in Wien wieder recht konzentriert in zwei dafür knappen Vorträgen ne Menge ausgeführt, auf das dort wie sonst zumeist auch, leider herzlich wenig Aktivisten bereit sind einzugehen.

    Ja. es stimmt in der Tat nicht, „dass die kapitalistische logik ganz rein wie ein engelchen realität schafft“. Da kann man schon Minister nennen, Regierungserklärungen, Konferenzdokumente (Bolognaprozeß!) anführen und das konkret machen, so schwer ist das ja wirklich nicht, es steht doch beinahe jeden Tag in jeder besseren Zeitung.

    Und es stimmt „die uni ist eben auch ein ort der möglichen reflexion“. Ein paar Freiräume, den dortigen Laden gegen den Strich der Lehrpläne und Studiengänge zu bürsten, die gibt oder gäbe es schon noch. Wenn doch nur ein paar Studenten auch tatäschlich so frei wären, sich nicht als die Helfershelfer der Bolognareformreform aufzuspielen!

    Wie du einerseits so einfach zugestehen kannst „und ja: dieser bildungsstreik organisiert in der tat nur den eigenne vorteil, es geht um bessere studienbedingungen, um die bessere ausbildung zu ermöglichen“ um dann ausgerechnet den Kritikern diesen Vokämpfern der Verbesserung ihrers Konkurrenzvorteils vorzuwerfen, ausgerechnet bei deren Kritik fiele „einfach total viel hinten runter“ geht mir nicht in den Kopf.

    Daß auch hier das Maximum der aufmüpfigen Gefühle /Forderungen das Bedingungslose Grundeinkommen ist, ist wieder mal ein Zeichen, mit wie wenig sich mittlerweile selbst die zufrieden geben, die eigentlich unzufrieden angetreten sind. Gesteinigt wirst du dafür nicht, aber „möglichkeitsräume“ bringt dir solche immanente Vernunft leider vermutlich auch nicht ein.

  27. 27 AlexinaBarbin 15. März 2010 um 21:43 Uhr

    hmm.

    sagen wir mal, es wäer schon eine Utopie, die Universitäten zu zerschlagen; dass sie Kontroll- und Machtorgane sind (Kanon, Prüfungen…) ist nicht von der Hand zu weisen; dass ihre Fähigkeit Kontrolle und Macht ausüben zu können durchaus inzestuös ist („die Universitären schlafen mit sich selbst“ …), kann durch Nachdenken erschloßen werden.

    Allerdings würde ein scheitern der (vorausgesetzten) „bürgerlichen Illusion“ sicher nicht dazu führen, dass die Universität DESWEGEN ihre Fähigkeit, den „Geist“ zu bilden verlieren würde. Das unterstellt nämlich (und gibt zu!), dass die Universität das wirklich könnte und erst dann unfähig dazu sein wird, wenn die Illusion gefallen ist; und genau so wartet man auf Godot.

    Nachfolgend einfach Spinoza, der keinen Klassenkampf brauchte und auch keine Arbeiterbewegung und auch keine Revolution irgendwelcher Schichten um folgendes sagen zu können:

    „Die Universitäten, die auf Staatskosten gegründet werden, werden nicht sowohl zur Ausbildung der Geister, als vielmehr zu deren Einschränkung eingerichtet. In einem freien Staat hingegen werden Wissenschaft und Künste am Besten ausgebildet, wenn man jemandem, der um Erlaubnis nachsucht, gestattet öffentlich zu lehren und zwar auf seine eigenen Kosten und [GENAU LESEN!] auf Kosten seines eigenen Rufes.“

    Und für all jene, die immer noch Marx lutschen müssen, um leben zu können: lest Lyotard „libidinöse Ökonomie“.
    Lest das Porträt der kleinen Marx. Streichelt Anwalt-Marx den Bart voller libidinösem Volumen. Aber hört auf, ständig dialektisch zu trauern.
    Ach ja, die Dialektik hat auch nicht funktioniert, auch die der Aufklärung verweist einfach nur auf einen Punkt außerhalb alles gerade möglich erreichbaren („aber sicherem“), d.h. auf ein Jenseits, nach…. d.h. auf das Reich Gottes, d.h. auf Gott. Und, juhu, der ist tot. Wenn ihr aufgeklärt sein wollt, dann seid es einfach von jetzt an so lange ihr wollt. Ihr werdet andere nicht dazu zwingen können, egal wieviel ihr darum weinen werdet, egal wieviel ihr darum dialektisch trauert…
    wie gesagt, damit wartet man einfach auf Godot. Der kam aber nicht mal am Ende des Stückes…

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