Archiv Seite 2

Die Krise im Bild I

Detroit was the dazzling symbol of the American Dream City with its monumental skyscrapers and fancy neighborhoods.

The ruins of Detroit

Rap für Deutschland

Nachdem die Studentenrapper von Blumentopf während der WM des deutschen Volkes Beobachter spielten, beschimpfen sie nun selbiges. Allerdings nicht – wie man bei völliger Unkenntnis des proklamierten Inhalts der besprochenen Spass- und Trotteltruppe glauben könnte – wegen seiner Form als Zwangskollektiv oder wegen staatsbürgerlich blindem Affirmantentum, sondern weil vorallem die jüngeren Semester mit Abwesenheit bei der anstehenden Wahl glänzen könnten. Die Insassen der Nation, so wohl der Gedanke, lassen sich schon zur Wahl bewegen, wenn man sie bloss lange genug als die Deppen beschimpft, die sie in manchem Falle tatsächlich sind. Es geht diesen ewigjugendlichen Politidioten also nicht um ein vermeintlich falsches Kreuzchen, sondern darum, dass die Truppe zur Durchsetzung nationaler Interessen im In- und Ausland zu wenig Legitimation per Stimmzettel erhält. Bei soviel patriotischem Eifer sieht selbst der König von Deutschland aka Eko Fresh noch bleicher aus als ohnehin, ruft der doch bloss bürgerpflichtgerecht zur Wahl seines CDU-Homies auf.

PS: Dass auf meinem Blog die Kategorie «Fresse halten!» überrepräsentiert ist, soll man bitte der Realität anlasten und nicht mir.

Ich lese…

…die zweite Ausgabe des Kosmoproleten.

«Die klaffende Lücke der Aufhebungsperspektive kann nicht durch Blaupausen für die klassenlose Gesellschaft geschlossen werden, die eine handvoll Radikale aus der Schublade ziehen. Die neue Gesellschaft muss sich in der Praxis der Lohnabhängigen abzeichnen. Da Sozialrevolutionäre meist selbst Lohnabhängige sind, wissen sie, wie verflucht schwer dies zu bewerkstelligen ist; gleichwohl wie bedeutungslos vor diesem Hintergrund die Aufforderung zur Abschaffung von Ware und Geld daherkommt – und welche Dringlichkeit daher die Zirkulation von Erfahrungen aus den Klassenauseinandersetzungen annimmt. Ihre Theorie ist andererseits mehr als passive Widerspiegelung der praktischen Bewegung, nämlich gedanklicher Vorgriff auf das noch nicht Existierende. In diesem Spannungsfeld irren die Sozialrevolutionäre umher, und soweit sie sich dessen bewusst sind und sich nicht blindlings auf die eine oder andere Seite des Gegensatzes schlagen, können sie vielleicht dazu beitragen, dass die sozialen Konflikte zu Klassenkämpfen eskalieren und die Commune in ihnen Gestalt annimmt.» (Kosmoprolet 2)

Inhalt:
Iran | Krise | Griechenland | Oaxaca | Leninismus | Thesenkritik | Venezuela | Allerhand

Prole Comics

«Alle werden nach ihrer Meinung über alle Einzelheiten gefragt, um sie davon abzuhalten, eine Meinung über die Gesamtheit zu haben.» (Raoul Vaneigem)

Seit kurzem online auf deutsch: prole comics

Blogsport Highlights II

Der Nachbar im geistigen Kellergeschoss schreibt zum Georg W. Bush Plaza in Israel ein Lob des damit Geehrten. Er weiss nämlich, dass zumindest aus seiner Perspektive Georg W. Bush nicht «vertrottelt» war, sondern so einiges geleistet hat:

«irak ist dafür ein bekanntes beispiel: im krieg eigentlich alles richtig gemacht, aber danach einfach die kontrolle über die entwicklung verloren.»

Auf einer Insel…

…geschehen höchst merkwürdige Dinge. Damit ist über Lost eigentlich alles Nötige und zugleich Unnötige gesagt. Wer es aber doch genauer wissen will, der kann sich hier in 8 Minuten den Plot einer der bescheuertsten Serien dieser Dekade anschauen.

Slavoj Žižek zur Krise

Kultur-Zeit auf 3Sat, das Magazin für den kritischen Bildungsbürger, strahlte kürzlich einen Beitrag über den streitbaren Philosophie-Showmaster Slavo Žižek aus. Der Selbstinszenierer und Analytiker nationaler WC-Schüsseln sagt darin einiges Schlaues – aber auch einigermassen Banales – zur Krise: Es sind nicht die Manager. Man muss sich von ideologischem Ballast befreien. Die Krise wird genutzt um Zumutungen zu legitimieren. Allerdings verliert Žižek kein Wort darüber, dass die zunehmenden Zumutungen gerade aus dem Zwang der Kapitalakkumulation notwendig sind. Statt dessen bleibt er gänzlich auf der ideologiekritischen Ebene. Er kann zwar nichts für die moderierenden Kommentare von Kultur-Zeit, diese erklären aber in vermeintlicher Übereinstimmung mit Žižek: «Die Politiker folgen der Religion des Marktes». Ganz so als wären die ganzen Institutionen des Staates nicht dazu da, die Akkumulation von Kapital auch in der Krise sicher zu stellen, sondern lediglich die Politiker auf die «Ideologie des Kapitalismus» reingefallen.


Keiner ist auf unserer Seite, der Benjamins Notbremse zieht!

Sonic Youth Discographie


Betting on the bull in the heather

Hier gibt’s die Discographie

Diffuse Verblödung

Ein junger Philosoph hatte einst eine Idee. Ein junger Schreiber fand nun diese Idee ganz dufte und schrieb für die Bravo für Erwachsene und andere Antideutsche eine Geschichte darüber. Und die geht in etwa so:

Wir schreiben das Jahre 2009, die alte Geschichte mit Kapital, Staat und den anderen Hauptdarstellern des zwanzigsten Jahrhunderts ist vorbei. Anstelle von Realsozialismus und Kapitalismus hat sich eine alles integrierende kybernetische Maschine gesetzt. Das «Arrangement der Lohnarbeit» wird nur noch aufrechterhalten, damit sich die Menschen «in ständiger Bewegung auf die Möglichkeit eines Jobs hin befinden». «Wo mit mechanischer Arbeit kein Wert mehr geschöpft werden kann, muss die kreative Persönlichkeit als Ganzes ausgebeutet werden.» Wert, Mehrwert, Kapital: alles hinfällig, veraltet, abgestorben. Heute beutet die kybernetische Maschine alle aus, in dem sie heute eine Homepage gestalten, morgen auf Facebook netzwerkeln und übermorgen eine iPhone-Hülle stricken müssen. Soziale Bewegungen haben in dieser Maschine bloss noch die Funktion, die Menschen als «Feedbackschleifen» zu integrieren. Stattdessen muss eine antigesellschaftliche, konzeptlose Guerilla aufgebaut werden: Die diffuse Guerilla! Deren Ziel ist es, «Zonen offensiver Undurchsichtigkeit auf[zu]bauen: zum Nebel [zu] werden.»

Zum Nebel werden! Mit dem Verstand des Autor hat’s zumindest schon geklappt.

Bis demnächst, MPunkt

Vor gut drei Jahren liess MPunkt seine Accounts auf dem KF sperren, weil es ihm «schlicht zu aufwendig [war], den ganzen Fehlern zu widersprechen, zumal diese eben keine bloßen Fehler sind, sondern dem Bedürfnis der Denunziation entspringen.» Gestern hat der gute Mann seinen Blog vom Netz genommen. Aus persönlichen Gründen, dem zu hohen Aufwand, «Fehler» korrigieren zu müssen und weil er aus einem scheinbaren «Hetzinteresse» immer wieder als GSP-Blogger kategorisiert wurde. Zum Abschied ein Gedicht von Erich Mühsam:

Freiheit ist ein religiöser Begriff. Wer mit dem Ziele der Freiheit Revolutionär ist, ist ein religiöser Mensch, Revolutionär sein ohne religiös zu sein, heißt mit revolutionären Mitteln andre als freiheitliche Ziele anstreben. Anders gesagt: Revolutionäre Entschlossenheit kann aus einer seelischen Not stammen, aus dem Empfinden der Unerträglichkeit von Zwang, Gesetz und Entpersönlichung – dann ist sie religiös; sie kann auch stammen aus der nüchternen Errechnung von Zweckmäßigkeit, wenn sich unter ihren Faktoren die Revolution als unumgängliches Mittel erwiesen hat – dann ist sie positivistisch. Der Positivist, – das ist der kirchliche Mensch im Gegensatz zum religiösen, der Leugner der Wildheit, des Rausches und der Utopie: der Dogmatiker und Fatalist, dem die Freiheit eine Kleinbürger-Phantasie und der Kampf ums Dasein eine Bestimmungs-Mensur scheint.

Bis demnächst, MPunkt!

Edit: Die Diskussion zum Film!